Sommer 1991 - GRIMSEL / SANETSCH / VERDON / FINALE

Unsere 14 - Tage Schnuppertour 1990 nach Italien und Frankreich hatte Lust auf mehr gemacht, und so wurde im Sommer 91 ein längerer Urlaub in den Alpen sowie Verdon und Finale in Angriff genommen. 4 Personen stiegen in den Renault Clio - Bert, Moritz, Al und ich. Dann gings mit Volldampf zum Grimselpaß. Dort war das Eldorado unser Ziel - eine ca. 500 m hohe Granitwand mit äußerst ausgesetzten Klettereien. Doch zunächst hieß es sich mit dem glatten Gestein ein wenig vertraut zu machen - was wir dann auch am Bügeleisen versuchten. Schon nach wenigen Metern hatte ich die Worte von Reinhold einem Kletterfreund aus dem Blautal im Ohr: "Laufe muuscht, et stande darfscht!!" und "Da kaascht überall oi halbs Grad aufschlage!!". Und das alles bei ganz beachtlichen Hakenabständen...

Ziemlich geschlaucht kamen wir vom Fels, da ereilte Bert schon der nächste Schicksalsschlag - er war ohne Schlafsack angereist. Von nun an wickelte er sich Abend für Abend in eine alte Pferdedecke und schlief auf dem Rücksitz des Clios... Für uns alle blieb das Übernachtungsproblem. Wir entschieden uns für das Vordach einer Seilbahnstation und wurden am nächsten Morgen 6.30 Uhr mit Sirene vom Personal geweckt. Glücklicherweise hatten sie die Transport - Seilbahn nicht gestartet, sonst wäre der Clio platt gewesen. Nach einem weiteren Akklimatisation - Tag wurde es dann ernst. Wir hatten uns für die Septumania VI + (VI + obligatorisch) entschieden, eine 13 - Seillängen - Tour, die überwiegend Reibungskletterei aufweist. Erstbegangen wurde diese Tour (wie fast alle Routen) durch die Gebrüder Remy. Später sollte dieser Name der Ingbegriff allen Übels am Berg werden, denn diese Burschen scheinen nicht nur saugut zu klettern, sondern auch keine Nerven zu besitzen. Die Hakenabstände sind jedenfalls "sächsischer" als in Sachsen...

Da wir schon 6.00 Uhr aufbrechen wollten, konnten wir wieder in der Seilbahn übernachten. Dank Moritz wurde der Zeitplan auch perfekt eingehalten. Nach kurzem Frühstück starteten wir dann etwa 7.00 Uhr. Vor uns waren schon einige Seilschaften losgegangen. Da wir allerdings die ca. 1,5 h bis zum Wandfuß im Laufschritt zurücklegten, konnten wir mit den Startnummern 1 und 2 in die Route einsteigen. Bert und ich stiegen als erste - Al und Moritz als zweite Seilschaft. Beim Anmarsch hatte ich mir überlegt die Rucksäcke schon ein Stück die erste Seillänge (4 +) hochzutragen - zur Sicherheit und weil es so einfach aussah. Beim Klettern im Nachstieg dachte ich dann, ich falle jeden Moment ab...

In Wechselführung haben wir uns die Wand hochgekämpft. Bohrhaken oder andere Sicherungspunkte waren äußerst spärlich gesät. Höhepunkte waren sicherlich eine 50 m Seil-länge mit 3 Haken bei der man kurz vorm Stand (8 - 10 m über dem letzten Haken) noch mal VII c klettern muß und die nächste Länge, bei der sich ein Bohrhaken auf 40 m in der Wand verlor...

Glücklich aber mental (und dental) am Ende erreichten wir die rettende Ausstiegsalm. Der Abstieg war dann nochmal ein rechter Leckerbissen und wirklich nur für "geübte Bergfreunde" zu empfehlen (Es existiert neuerdings auch eine Abseilpiste).

Danach fuhren wir zu einem kurzen Arbeitsbesuch ins Sanetsch . Leider konnten wir nur einen Tag bleiben, da "Freischläfer" Bert eine Übernachtung in solcher Höhe ohne Schlafsack ablehnte.

So fuhren wir ziemlich direkt zur Verdon - Schlucht. Der Zeltplatz in La Palü stellte eine Bastion der Sachsen dar. Ich glaube wenigstens 30 Leute aus Dresden und Umgebung waren da. Mein Freund Gockel begrüßte mich besonders herzlich mit einem Fläschchen Whisky - der späte Abend war dann für mich in ein unerklärliches Dunkel gehüllt...

Das Klettern in der Verdon - Schlucht gehört zum beeindruckendsten was ich an Kalkkletterei so kenne. Man seilt von oben in die Routen hinein, und dann sollte man möglichst auch wieder nach oben kommen, sonst wird man Tage später als Pflaumentoffel abgeschnitten. Wir haben jedenfalls viele Wege gemacht - vom "Kettensägenmassaker" bis zu den Rißtouren "Blutiger Kuß" und "Ulla".

Natürlich sind wir nicht nur geklettert. Und wo viele Bergfreunde beieinander sind treibt der Unfug Blüten. Zunächst wollten wir am Stausee ein Brückenpendel machen. Der erste Versuch wurde allerdings von der Polizei unterbunden. Ein wenig frustriert ist Muh dann halt so von der Brücke in den See gesprungen. Nach 25 m freiem Fall hatte es ihn im Wasser natürlich wie eine Streichholzschachtel zusammengefaltet. Fortan wurde sein Rücken allabendlich mit Whisky einbalsamiert. Der zweite Versuch war dann von Erfolg gekrönt. Nachdem dem Berbi die Seillänge getestet hatte und dabei wie eine Ente im Wasser gelandet war, sind wir alle gesprungen. Es war ein Riesengaudi und Gockel hat wohl 2 l Angstschweiß verloren.

Dann gings zum Canyoning. Alle wandern durch die Schlucht - wir sind mehr oder minder runtergeschwommen. Die kleinen Wasserfälle zwischendurch waren immer ein willkommener Gaudi - zumindest solange bis ich mal nicht mehr so richtig aus dem Sog eines dieser Wasserfälle rauskam und unter dem Beifall der Bergkameraden um mein Leben gepaddelt bin. Wenigstens Glatze und Bert hatten den Ernst der Lage erkannt und starteten eine Rettungsaktion, welche leider nur von bescheidenem Erfolg war. Als wir uns endlich zu fassen bekamen, konnte Bert die runde Auflage mit einer Hand nicht mehr halten und plötzlich war keiner von uns dreien mehr an der Wasseroberfläche. Der Strudel hat uns wieder ausgespukt und mit wackeligen Knien bin ich an Land gekrochen. Flieg nicht zu hoch mein kleiner Freund... Seitdem habe ich zweimal im Jahr Geburtstag.

Ein starker Regenguß beendete unseren 2 - wöchigen Aufenthalt und wir setzten nach Finale um. Das Klettergebiet am Mittelmeer hatten wir aus dem Vorjahr in guter Erinnerung - es kann sich in einem Jahr viel ändern. Tschechische Pauschaltouristen ohne klettersportliche Ambitionen wurden Busseweise an den Monte Cucco gekarrt. Da dort kein offizieller Zeltplatz ist, existierten auch keine WCs. Somit wurde jeder Fleck zur Toilette erklärt und das ganze Gebiet war definitv zugeschissen... Da Bert schon früher nach Hause gefahren war und uns Heinz nur kurz abgesetzt hatte, blieb für Moritz und mich das Problem der Heimreise. Glücklicherweise lernten wir Nobbi kennen, der uns direkt nach Dresden mitnahm. Von Finale nonstop nach Dresden (mit einem kurzen Werkstattaufenthalt in Singen) - Nobbi lies keinen ans Steuer seines VW Polo. Da hies es nur Augen zu und durch.

Wir habens überlebt und konnten die gute Form in Sachsen in große Wege umsetzen.

 

Ralle Sommer 91 / August 99